Mittwoch, 21. Oktober 2009

Al-Qaidas Freigänger - Teil 3

Nicht nur in Pakistan oder Großbritannien können bzw. konnten Männer, die zum inneren Zirkel Al-Qaidas gezählt werden,  aufgrund ihrer Verbindungen zu Geheimdiensten sich vor Zugriff durch Strafverfolgungsbehörden sicher wähnen. Auch in Deutschland wird mit zweierlei Maß gegenüber Terror-verdächtigen gemessen.

Wegen des Verdachts der Unterstützung der Madrider-Al-Qaida-Zelle, die die mutmaßlichen 9/11-Attentäter unterstützt hat, verfasste ein spanisches Gericht im September 2003 eine Anklageschrift gegen 35 Männer. Ein Name taucht in dieser Schrift ganze 177 mal auf. Der Name Mamoun Darkazanli. Er wird beschuldigt, der Finanzier Bin Ladens in Europa zu sein.
Die Liste derer, mit denen Darkazanli Geschäfte tätigte und Geld austauchte, liest sich wie ein "wer-ist-wer" von Al-Qaida: Wadih El-Hage, Bin Ladens ehemaliger persönlicher Sekretät; Tayyib al-Madani, der Ehemann von Bin Ladens Nichte und vor 9/11 Al-Qaidas Finanzchef; und Mustafa Setmariam Nasr, der Leiter eines Al-Qaida Trainingcamps in Afghanistan, der 1996 nach Hamburg reiste, um Darkazanli zu treffen. (Chicago Tribune, 5.10.2003)

Interpol-Fahndungsfoto

Spanien forderte daraufhin die Auslieferung des in Deutschland auf freiem Fuß lebenden Al-Qaida-Finanziers. Die Hamburger Behörden folgten dem Antrag und nahmen Darkazanli in Auslieferungshaft. Doch das Bundesverfassungsgericht stoppt seine Auslieferung "im letzten Moment". Die Auslieferung verstoße gegen die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland. Als diese Jahre später geändert wurden, versuchte es Spanien 2007 noch einmal. Wieder entschied das oberste Gericht Deutschlands dagegen. Die Begründung diesmal:

Der Beschuldigte Darkazanli fungierte zwar zwischen 1993 und 1998 als Ansprechpartner verschiedener Al Qaeda Verantwortlicher und war vermittelnd, betreuend und verwaltend in die international angelegten unternehmerischen Aktivitäten des Al Qaeda Firmengeflechts eingebunden. Diese der Al Qaeda Organisation zugute gekommenen Aktivitäten erfüllen jedoch nicht die Voraussetzungen einer Strafbarkeit nach § 129a StGB. (...) Zudem kann nicht  -  jedenfalls nicht im Sinne eines hinreichenden Tatverdachts  -  davon ausgegangen werden, Darkazanli habe mit seinen Aktivitäten bewusst an der Verwirklichung  terroristischer Ziele der Organisation Al Qaeda mitgewirkt.
Der Fall gilt seit dem als geschlossen. Erinnert sei im Gegensatz dazu an den Fall Mounir al-Motassadeq. Er wurde wegen wesentlich geringfügigerer Unterstützungsleistungen zu 15 Jahren Haft verurteilt, obwohl auch er stets behauptet hat, nichts von den 9/11-Planungen gewusst zu haben. Vor dem Gesetz sind alle gleich. Nur manche sind gleicher. Dazu zählt offenbar Darkazanli. Die lange Hand der Geheimdienste hat auch hier ihre Finger im Spiel.

Laut Interpol wurde Darkazanli 1958 im syrischen Damaskus geboren und hat sowohl die deutsche wie syrische Staatsbürgerschaft. Nach 9/11 wurden seine Firma mit Sitz in Hamburg, 'Mamoun Darkazanli Import-Export Company', von der EU, der UN und den USA auf die Liste der Unterstützer von Al-Qaida gesetzt. Er unterhielt auch Kontakt zu der "Hamburger Zelle" von Mohammed Atta. Die CIA hatte ihn schon 1999 unter Beobachtung und drängte die deutschen Dienste, Darkazanli zu einem Al-Qaida-Informanten umzudrehen.
Laut einer Quelle mit Wissen aus erster Hand, erzählte der CIA-Repräsentant seinem örtlichen Pendant, dass seine Behörde annimmt, dass Darkazanli Wissen über ein nicht näher spezifizierten geplanten Terror-Anschlag hat und dass man ihn gegen seine Al-Qaida-Gefährten wenden könnte. "Er sagte, 'Darkazanli weiß eine Menge'," erinnert sich die Quelle. (Quelle)
Nicht nur wegen seiner vorzüglichen Kontakte in die Al-Qaida-Führung war Darkazanli für die westlichen Dienste interessant geworden, sondern auch wegen seiner eigenen Geheimdienst-Kontakte. Die wurden spätestens dann auffällig, als das saudische Unternehmen 'Twaik Group' 250 Tausend US-Dollar auf seinem Konto deponierte. Laut Enthüllungen der 'Chigao Tribune' gingen deutsche Geheimdienste davon aus, dass es sich bei der Twaik Group um ein Frontunternehmen des saudi-arabischen Geheimdiensts handelt, mit Verbindungen zu dessen langjährigem Chef Prinz Turkai al-Faisal. Laut Einschätzungen verschiedenster Geheimdienste arbeiteten zwei Twaik-Manager gleichzeitig für Al-Qaida. Ein Twaik-Mitarbeiter, der später der Finanzierung des Anschlags von Bali 2002 beschuldigt wird, reist des öfteren mit Flugzeugen des saudischen Geheimdiensts. (Quellen: Chicago Tribune 31.3.2004, Chicago Tribune 11.10.2003)

In Deutschland arbeitete Darkazanli zusammen mit dem Deutsch-Syrer Muhammad Haidar Zammar für das Textil-Handelsunternehmen 'Tatex'. Zammar wurde nach 9/11 von der CIA nach Syrien verschleppt und sitzt seitdem dort im Gefängnis. Auch er stand in Verbindung mit Attas 'Hambuger Zelle' und wird verdächtigt, für Al-Qaida neue Mitglieder rekrutiert zu haben.


Tatex Firmenlogo

Laut Recherche von Seymour Hersh war das Unternehmen Tatex vom syrischen Geheimdienst infiltriert. Einer der Eigentümer war Mohammed Majed Said, von 1987 bis 1994 Chef des syrischen Geheimdiensts und 2001 Mitglied im Nationalen Sicherheitsrat Syriens. Am 10.September 2002 durchsuchte die Polizei den Tatex-Firmensitz.
Die deutschen Ankläger bereiteten ihren Fall vor. Die Vereinigten Staaten zogen es in Betracht, die Konten von Tatex einzufrieren, so man es schon bei Dutzenden anderen Unternehmen tat, die der Finanzierung des Terrorismus verdächtigt waren. Doch dann geschah etwas seltsames: Nichts. Die Regierung stellte die Ermittlungen still und leise letzten Sommer ein und entschied sich gegen eine Anklage des Unternehmens. Die Vereinigten Staaten rührten das Firmenvermögen nie an. Fall geschlossen. (...)
Einige deutsche und amerikanische Beamte deuteten an, dass beide Länder Tatex nicht vor Gericht zogen, um die syrische Regierung nicht zu verärgern. (Newsweek, 18.1.2004)
Es dürften diese Geheimdienst-Verbindungen sein, die Darkazanli vor einem ähnlichen Schicksal wie al-Motassadeq bewahrt hat.

Die "Al-Qaidas Freigänger"-Trilogie abschließend, bleibt nur zu sagen, dass man angesichts der beschriebenen Verbindungen und Verwicklungen des Phänomens "Al-Qaida" mit Geheimdiensten verschiedenster Herkunft, von Al-Qaida unmöglich als einer eigenständigen, unabhängigen Organisation sprechen kann. Zu sehr sind die im Namen Al-Qaidas Kämpfenden den Manipulationen der geheimen Dienste ausgesetzt. Zu viele derer, die wichtige Positionen im Al-Qaida Netzwerk einnehmen, arbeiten gleichzeitg für einen oder mehrere geheime Dienste, so dass sogar eine Kontrolle durch die Dienste möglich erscheint.

(Al-Qaidas Freigänger Teil 1, Teil 2)

Kommentare:

  1. Ein offizieller CIA Agent wohl und die Haupt Geshichte ist seit fast 8 Jahren bekannt

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  2. navy hat gesagt... na was denn? Wer ist den der offizielle CIA Agent? Wie heißt er denn?
    ...und und und???

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  3. kannst du mal den schwarzen hintergrund entfernen...dein blog ist zum drucken einfach nicht geeignet...

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  4. Zur Not empfehle ich, den Inhalt in ein Textverarbeitungsprogramm zu kopieren und dann auszudrucken.

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